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Was sind Gewohnheiten (Definition)?
Eine einmal von uns bewusst getroffene Entscheidung / Verhaltensweise, die unter gleichen Bedingungen / Situationen zum wiederholten Male mehr oder weniger vollkommen automatisch ausgeführt wird, ohne weiter darüber nachzudenken.

Wie Gewohnheiten entstehen?
Unser Gehirn sucht ständig Wege zur Entlastung, deshalb versucht es eigenständig jede Routine in eine Gewohnheit umzuwandeln. Durch die Gewohnheiten und den damit verbundenen automatisierten Abläufen kann unser Geist häufiger herunterfahren.

Einfluss und Wirkung von Gewohnheiten auf unser Leben:
Betrachtet man eine einzelne Gewohnheit isoliert, kann diese den Eindruck erwecken, nur von geringfügiger Bedeutung zu sein. Die Summe aller unserer Gewohnheiten bestimmen jedoch zu einem großen Anteil unser gesamtes Leben und wirken sich auf unser Wohlbefinden aus. Es gibt keinen Lebensbereich, der von der Macht der Gewohnheiten ausgeklammert ist. Gewohnheiten bestimmen was und wieviel wir essen, ob und wie oft wir Sport treiben, wie wir Arbeitsabläufe organisieren (Produktivität), ob wir sparsam oder verschwenderisch leben und sogar welche Verhaltensweise wir gegenüber Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten und Fremden in bestimmten Situationen zeigen. Kurzum unsere Gesundheit, finanzielle Zukunft, berufliche Karriere sowie die Zufriedenheit im Privatleben wird von Gewohnheiten geprägt. Es lohnt sich daher möglichst früh gute Gewohnheiten anzunehmen und schlechte Gewohnheiten abzulegen, denn so werden wir es deutlich einfacher haben unsere kurz- und langfristigen Ziele zu erreichen und ein zufriedeneres Leben führen.

Eine Studie der Duke University hat gezeigt, dass rund 40 Prozent unserer täglichen Aktivitäten aus Gewohnheiten bestehen.

Wie man schlechte Gewohnheiten ablegen kann?

Menschen mit schlechten Gewohnheiten werden keinesfalls gezwungen diese einfach so hinzunehmen. Wer eine Veränderung möchte, muss sich aber mit seinen Gewohnheiten im Detail auseinandersetzen und die Gewohnheitsschleife (Auslösereiz, Routine, Belohnung) und das Verlangen dahinter verstehen. Mit der richtigen Analyse und Training kann man die Routine (Gewohnheitshandlung) neu programmieren und in die gewünschte Richtung lenken. Ehrlichkeit gegenüber sich selbst, harte Arbeit und den Willen, Glauben für Veränderungen sind elementare Bestandteile für die Neuprogrammierung der Gewohnheitsschleife. Erfüllt man diese Kriterien, wird man es in den allermeisten Fällen auch schaffen sich von alten Lastern zu befreien und so deutlich an Lebensqualität gewinnen.

Niemand behauptet, dass es leicht ist eine Gewohnheit zu ändern und in die gewünschte Form zu bringen. Ein hohes Maß an Willenskraft und Training ist für die Einführung einer neuen Routine unerlässlich. Ganz wichtig dabei ist der Wiederholungsprozess, denn nur so kann die Automatisierung und Etablierung der neuen Routine erfolgen. Die Lernkurve wird dabei in den seltensten Fällen linear verlaufen. Freunden Sie sich mit dem Gedanken an, dass zu Beginn Rückschläge eher die Regel als die Ausnahme sind, aber mit Disziplin und Willenskraft wird sich der Erfolg früher oder später sicher einstellen. Als kleine Anmerkung: Für den Ausdauerkünstler David Blaine ist Disziplin das Ergebnis aus Übung und Wiederholung.

Unsere Willenskraft ist endlich, deshalb sollten wir Prioritäten setzen und uns genau überlegen welche Gewohnheit wir zuerst ändern möchten. Es ist ratsam sich immer nur mit einer Gewohnheit auseinanderzusetzen. Den verbliebenen schlechten Angewohnheiten sollten wir gemäß der Prioritätenliste zu einem späteren Zeitpunkt die volle Aufmerksamkeit schenken.

Nachdem wir nun ja wissen, wie eine Gewohnheitsschleife funktioniert (Auslösereiz, Routine, Belohnung und das Verlangen danach), können wir nach Lösungen suchen, um die vorhandene Routine durch eine konkurrierende Routine zu ersetzen.

Im Endeffekt bedarf es zur Verhaltensveränderung nur 4 Schritte:

  1. Die Routine identifizieren.
  2. Eine gleichwertige Belohnung finden, die das Verlangen danach befriedigt (erfordert etwas Experimentierfreude und ist bei jedem von uns etwas anders)
  3. Den Auslösereiz für die bisherige Routine isolieren.
  4. Einen genauen Plan erstellen, wie die neue gewünschte Gewohnheitsveränderung implementiert werden kann.

In Experimenten wurde herausgefunden, dass man die Auslösereize im Wesentlichen in fünf Kategorien unterteilen kann: Standort, Uhrzeit, emotionaler Zustand, andere Personen, die unmittelbar vorangegangene Handlung.

Für die Selbstdiagnose und Mustererkennung (Ausübung der bisherigen Routine) sollten Sie sich deshalb diese fünf Fragen stellen und die dazugehörigen Antworten aufschreiben.

  1. Wo sind Sie gerade?
  2. Wie spät ist es?
  3. Wie fühlen Sie sich gerade?
  4. Wer ist sonst noch bei mir?
  5. Welche unmittelbare Handlung ging dem Verlangen voraus?

Haben Sie Ihre Gewohnheitsschleife entschlüsselt?
Kennen Sie das Verlangen nach der Belohnung und den dazugehörigen Auslösereiz für die Ausführung Ihrer Routine. Herzlichen Glückwunsch! Sie haben es jetzt selbst in der Hand eine Verhaltensveränderung zu bewirken. Wählen Sie eine neue bessere Verhaltensweise (konkurrierende Routine), die Ihnen in der gleichen Situation (Auslösereiz) eine Belohnung verschafft und Ihr Verlangen danach befriedigt.

Studien zufolge, fällt die Umsetzung deutlich leichter, wenn man einen klaren Plan verfolgt. Schreiben Sie deshalb am besten in schriftlicher Form so konkret wie möglich die neue Handlungsanweisung (neue Routine) auf, wenn Sie mit der gleichen oder einer ähnlichen Situation (Auslösereiz) konfrontiert werden. Bei dieser Art von Plan sprechen Psychologen von der Durchführungsintention. Viel Erfolg und gutes Gelingen wünscht Ihnen das ReadSmarter Redaktionsteam.


Literaturquellen:
The Power of Habit: Why We Do What We Do, and How to Change – Autor: Charles Duhigg