Artikel wurde aktualisiert am 07.05.20183 Min. Lesedauer

Aktienkauf und Börsengeschäfte auf Kredit sind eher eine schlechte Idee.

Bei Geldanlagen sind Aktienmärkten langfristig betrachtet nach wie vor die renditestärkste Anlageform. Starke Kurseinbrüche auf breiter Basis bieten in der Regel für langfristig orientierte Anleger eine gute Einstiegsmöglichkeit. Wer jedoch mit gehebelten Produkten oder geliehenem Geld seine Börsengeschäfte macht, wird früher oder später in Relation zum Investment von einer gegenläufigen Marktbewegung betroffen sein und vermutlich hohe Verluste erleiden. Bei Derivaten wird oft unerwartet die Barriere (knock out Schwelle) erreicht und damit auch der Verlust tatsächlich realisiert. Bei Margin Geschäfte besteht die Nachschusspflicht. In einem bewertungstechnisch günstigen Marktumfeld fehlen dann diesen Anlegern die liquiden Mittel, um neue aussichtsreiche Anlagemöglichkeiten zu nutzen.

In den USA ist der Aktienkauf auf Kredit zuletzt immer beliebter geworden. Die Ausweitung kreditbasierter Aktienkäufe sind nach Expertenmeinung ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor. Gefahr besteht hier nicht allein bei den Krediten selbst. Wenn die Börsenstimmung erst einmal kippt und ein massiver Kursabfall folgt, dürften Anleger mit Krediten sehr große Probleme bekommen, denn Anteilsscheine die mit Krediten hinterlegt sind, wären ebenso vom Kursrutsch betroffen. Als Folge würden die Kredite fällig werden und die Aktien müssten notgedrungen verkauft werden, wenn keine neue Sicherheiten hinterlegt werden. Der Notverkauf von Aktien würde weitere Kursverluste nach sich ziehen und die bereits bestehende Abwärtsspirale in einer Kettenreaktion deutlich verstärken.

Aufgrund der Vielzahl an Variablen und nicht vorhersehbaren Ereignissen, die das allgemeine Börsengeschehen bestimmen, sind selbst professionelle Investoren nicht in der Lage zuverlässig die kurzfristige Kursentwicklung zu prognostizieren. Leichter ist es hingegen allgemeine Trends und das Potential eines Unternehmens zu erkennen.

Warren Buffett (87) erläutert im jährlichen Aktionärsbrief zum Geschäftsjahr 2017 wie Berkshire Hathaway unter seiner Leitung in der nun 53-jährigen Unternehmensgeschichte von vier massiven Kursrückschlägen betroffen war und sich trotz dieser Widrigkeiten großartig entwickelt hat.

Kursrutsch Aktie Berkshire Hathaway (1965 - 2018)

ZeitraumKursverlust in Prozent
1973 bis 1975-59 %
1987-37 %
1998 bis 2000-49 %
2008 bis 2009-51 %

Quelle: Berkshire Hathaway

Für Warren Buffett ist diese Tabelle das stärkste Argument, dass gegen die Verwendung von geliehenem Geld für den Aktienkauf oder sonstigen Börsengeschäfte spricht. In seinen Augen gibt es einfach keinen verlässlichen Indikator, um vorhersagen zu können, wie weit eine Aktie oder der Markt in kurzer Zeit abstürzen kann. Auch die psychische Komponente spielt bei Kurseinbrüchen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Nach seinen Worten “Beängstigende Schlagzeilen und Kommentare verwirren den Geist. Ein unruhiger Geist wird keine gute Entscheidungen treffen können”.

Starke Kurseinbrüche werden auch in Zukunft nicht zu verhindern sein und Berkshire Hathaway wird wie der Gesamtmarkt nicht immun dagegen sein. “Niemand weiß, wann das passieren wird”, so Buffet weiter. Er ist jedoch davon überzeugt, dass diejenigen, die in solchen Situationen nicht durch Schulden eingeschränkt sind, in derartigen Marktsituationen “außergewöhnliche Investmentmöglichkeiten” vorfinden.

Warren Buffett erwarb 1965 sämtliche Anteile am Textilunternehmen Berkshire Hathaway. Er ist seit diesem Zeitpunkt CEO und Chairman des Unternehmens. Aufgrund der damals wenig lukrativen Geschäfte als Textilunternehmen verabschiedete er sich von dieser Branche und wandelte die Textilfirma in eine Investmentholding und Beteiligungsfirma um.

Im Jahresdurchschnitt (Zeitraum 1965 – 2017) erzielte Warren Buffett mit seinem Unterhnehmen Berkshire Hathaway eine Rendite in Höhe von 20.9 Prozent Rendite. Mit dem Indexfond S&P 500 konnte im gleichen Zeitraum eine Rendite in Höhe von 9.9 Prozent erzielt werden.